Lost in our world

Liebes Tagebuch,

heute habe ich einen Jungen kennengelernt. Er ist neu in meine Klasse gekommen. Er sah traurig aus und keiner hat mit ihm geredet. In der Pause habe ich ihn alleine in einer Ecke sitzen sehen. Ich saß wie immer bei meinen Freunden. Sie haben sich alle über ihn lustig gemacht, vor allem über sein aussehen. Er war ganz schwarz gekleidet und seine längeren Haare hingen ihm ins Gesicht. Mir gefällt sein Kleidungsstil. Es hat etwas geheimnisvolles an sich.
20.5.2000

Liebes Tagebuch,

alle aus meiner Klasse machen den armen Jungen fertig. Ich verstehe das nicht, er hat ihnen nichts getan.Ja, er redet nicht viel, aber ist das ein Grund ihn fertig zumachen? Finde ich nicht. Mir tut er leid. Ich habe auch versucht mit ihnen zu reden dass sie ihn in Ruhe lassen sollen, da haben sie mich ausgelacht. Den Rest des Tages haben sie nicht mit mir geredet.
21.5.2000

Liebes Tagebuch,

heute hat der Junge mich angelächelt. Ich hatte ein komisches Gefühl in meinem Bauch. Es hat gekribbelt. Irgendwie war es schön. Ich habe ihn auch angelächelt. Meine Freunde haben das bemerkt. Sie machen sich jetzt lustig über mich.
22.5.2000

Liebes Tagebuch,

ich war heute in der Bibliothek. Der Junge war auch dort. Ich glaube er hat mir manchmal kurze Blicke zugeworfen. Er ist voll süß.
Nächste Woche fahren wir auf Klassenfahrt. Ich freue mich schon. Das wir bestimmt toll werden. Leider kann ich dich nicht mitnehmen sonst klaut dich jemand und liest was ich dir alles erzählt habe.
23.5.2000

Liebes Tagebuch,

die Klassenfahrt war ein Alptraum. Ich habe mich mit meiner besten Freundin und auch allen anderen Freunden zerstritten weil ich mit dem Jungen unterhalten habe. Ich verstehe sie nicht mehr. Was haben sie gegen ihn? Er ist supernett. Aber ich bin jetzt traurig, ich habe mich noch nie mit meiner besten Freundin gestritten..
27.5.2000

Liebes Tagebuch,

es tut mir leid dass ich so lange nicht mehr geschrieben habe aber ich war wirklich nicht in Stimmung. Die letzten Wochen waren voll stressig. Wir haben nurnoch Arbeiten und Tests geschrieben, ich musste nur lernen. Mit meinen Freunden bin ich immernoch zerstritten aber das ist mir jetzt egal. Ich bin jetzt ziemlich gut mit dem Jungen befreundet. Wir sind uns sehr ähnlich.
20.6.2000

Liebes Tagebuch,

die letzten Wochen waren nicht so toll. Mein Freund, mit dem ich 2 Jahre zusammen war, hat sich von mir getrennt weil ich angeblich kaum Zeit mehr für ihn hatte. Meine Freunde haben sich jetzt ganz von mir abgekapselt. Mein einziger Freund ist jetzt der Junge. Er ist der beste Freund den ich jemals hatte. Er hat mich getröstet als Billy mit mir Schluss gemacht hat. Er hat mir geholfen meine falschen Freunde zu vergessen. Er hat mir einfach nur zugehört und mich in den Arm genommen. Manchmal schauen wir uns nur in die Augen und wissen was der andere denkt. Manchmal sagen wir sogar das gleiche.
20.8.2000

Mir schießen Tränen in meine Augen als ich meine ersten Einträge meines Tagebuches durchlese. Ich wische sie weg und blättere einige Seiten weiter.

Liebes Tagebuch,

wir werden umziehen. Das hat mir gerade meine Mutter erzählt. Ich will nicht. Ich kann ihn nicht alleine lassen. Ich werde aber so schnell wie möglich wieder zu ihm zurückgehen. Ich hasse es Zuhause und ich bin fast 18. Ich werde es ihm Morgen erzählen. Ich habe Angst davor.
1.2.2001

Liebes Tagebuch,

ich habe es ihm erzählt. Er hat mich mit solch einem Ausdruck in den Augen angeschaut, es hat mir im Herzen wehgetan. Er war so verletzt, das habe ich in seinen Augen gesehen. Ich weiß wie er sich fühlt, so fühle ich mich auch. Wir waren den ganzen Tag zusammen, haben aber kaum geredet. Als er mich heimgebracht hat, was er jeden Abend macht, hat er mich fest umarmt, als würde er mich nie wieder sehen. Die Nacht habe ich damit verbracht zu heulen. Jetzt ist es Morgen und meine Augen sind voll geschwollen. Morgen fahren wir los.
2.2.2001

Ich erinnere mich genau an diesen Tag. Es war einer der schlimmsten Tage meines Lebens. Er war die wichtigste Person in meinem Leben. Wieder blättere ich einige Seiten weiter.

Liebes Tagebuch,

es tut mir leid dass ich nicht mehr geschrieben habe seit diesem Tag. Mein Leben hat sich drastisch verändert seit damals. Mein Vater hat uns verlassen, meine Mutter ist darauf sehr Krank geworden und ich muss nun Arbeiten gehen. Ich arbeite in einem schäbigen Restaurant and Bedienung. Es ist nicht der bestbezahlteste Job aber etwas besseres habe ich nicht gefunden. Es sind 3 Jahre vergangen und ich habe nichts mehr von ihm gehört. Ich habe aber leider auch keine Zeit um mich bei ihm zu melden. Mir tut es so leid. Ich habe mir aber vorgenommen mich wieder bei ihm zu melden. Ich werde ihm noch heute einen Brief schreiben.
9.3.2004

Liebes Tagebuch,

der Brief ist geschrieben und ich habe ihn abgeschickt. Ich bin gespannt ob er antwortet. Ich hoffe es, ich vermisse ihn so sehr. Hier habe ich keine Freunde. Ich hätte auch keine Zeit für sie. Meiner Mutter geht es etwas besser.
10.3.2004

Liebes Tagebuch,

heute habe ich seinen Brief erhalten. Er erinnert sich an mich und will mich wieder sehen. Er vermisst mich auch sehr. Ich werde ihm gleich einen Brief schreiben und ihn fragen ob er mich besuchen kommt. Ich bin gespannt ob er sich verändert hat. Ich habe es.
20.3.2004

Auch an diesen Tag erinnere ich mich. Ich war überglücklich das er geantwortet hatte.

Liebes Tagebuch,

er kommt mich besuchen. Ich bin so glücklich dass er Zeit hat. Ich bin auch sehr aufgeregt. Meiner Mutter geht es jetzt wieder recht gut. Die Arbeit ist sehr anstrengend, ich frage Morgen ob ich einige Tage frei bekomme.
20.4.2004

Liebes Tagebuch,

wie konnte ich nur? Gestern kam er. Wir hatten einen wunderbaren Tag, so wie früher. Doch als wir zurückgegangen sind hat er mir gesagt dass er mich liebt, und ich? Ich habe ihn geschockt angeschaut. Ich weiß nicht wie ich über ihn fühle, wir haben uns so lange nicht gesehen. Darauf hat er mich gefragt wie ich fühle. Ich habe nichts gesagt. Es ist nichts aus mir herausgekommen. Ich wusste nicht wie ich fühlte.
1.5.2004

Liebes Tagebuch,

ich habe ihn getötet. Heute Morgen bekam ich einen Anruf vom Krankenhaus. Ich bin sofort hingeeilt. Er war in einen schwere Autounfall verwickelt und sehr schwer verletzt. Ich habe mich zu ihm ans Bett gesetzt. Ich habe geweint. Doch mir ist klar geworden dass ich ihn auch liebe. Wieso ist mir das nicht früher klar geworden, dann wäre es nicht dazu gekommen. Ich habe es ihm leise zugeflüstert, ich weiß nicht ob er mich gehört hat, kurz danach blieb sein Herz stehen. Es ist alles meine Schuld.
2.5.2004

Mir strömen die Tränen aus den Augen. Einige fallen auf die Blätter und saugen sich ein. Ich blättere mit zitternden Händen auf die nächste Seite.

Sie ist leer. Ich habe aufgehört in das Buch zu schreiben. Ich hatte einen Nervenzusammenbruch und kam ins Krankenhaus.

Jetzt sitze ich auf der Couch in meinem Wohnzimmer. Meine Mutter liegt im Bett und schläft. Sie hat sich sehr große Sorgen um mich gemacht.

Ich halte es nicht mehr aus. Ich verletze nur alle die um mich herum sind. Das kann ich ihnen nicht antun.

Ich wäre jetzt so gerne in seinen Armen, ich möchte ihn fühlen, nur bei ihm sein, doch ich hab dies unmöglich gemacht. Es ist meine Schuld.

Langsam stehe ich auf, nehme meinen Schlüsseln vom Haken und gehe hinaus. Mein Tagebuch habe ich dabei, ich presse es mit meinen Armen an meinen Körper. Es ist meine einzigste Erinnerung an ihn.

Ich komme an wo ich hinwollte. Ich stehe vor seinem Grab. Ich erzähle ihm wie leid mir alles tut und weine wieder. Schluchzend wische ich mit meine Tränen vom Gesicht.

"Es tut mir so leid. Ich werde bald bei dir sein, dann sind wir vereint." sage ich ihm und greife mit meiner Hand in meine Hosentasche. Ich hole eine Packung Schlaftabletten hervor. Ich öffne sie und drücke alle Pillen heraus. Ich nehme sie alle aufeinmal. Die Pillen wirken schnell, ich werde müde. Mit meiner letzten Kraft lege ich mich auf sein Grab, das Tagebuch in meinen Händen.

Das letzte was ich sehe ist sein Name auf seinem Grabstein, dann fallen meine AUgenlider zu und ich schlafe ein.




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